5 Gründe für das Loslassen von Erwartungen

1 Erwartungen engen ein

In dem Wort ErWARTungen steckt das Wort WARTEN. Wenn ich von einem anderen Menschen etwas erwarte, dann erhoffe ich mir von ihm ein ganz bestimmtes Verhalten, dass meinen Wünschen entspricht. Ich habe also schon bevor mein Gegenüber reagieren kann, eine bestimmte Vorstellung davon, wie er oder sie sich verhalten sollte, um meine Wünsche zu erfüllen. Damit ist die Situation für mich nicht offen. Ich kann es also gar nicht zulassen, dass mein Gegenüber so reagiert, wie er oder sie ist. Das engt die Begegnungen von Menschen extrem ein, weil das Verhalten eines Menschen in meinem Kopf bereits vorgegeben ist. Das führt sowohl bei mir als auch bei meinem Gegenüber zu einem verkrampften, unfreien Unwohlsein. Versuche offen in die Begegnungen mit Menschen zu gehen. Und falls Deine Gedanken Dir gewisse Sätze wie: „Ich möchte aber jetzt, dass er mich morgen ins Kino begleitet.“ oder „Ich wünsche mir so sehr, dass wir nachher zusammen spazieren gehen.“ oder „Ich würde so gerne mit Dir in Urlaub fahren.“ usw., dann halte einmal kurz inne und lass diese Gedanken kommen und gehen. Es ist menschlich, Erwartungen zu haben. Wenn Du Dir in Deinen Gedanken schon den Ausgang der Geschichte zu Deinen Gunsten ausmalst, dann nimmst Du Deinem Gegenüber die Möglichkeit, selbstbestimmt zu handeln. Du willst lieber, dass Deine Bedürfnisse erfüllt werden, als dass der Andere frei entscheiden kann, ob er Dir den Gefallen tun möchte oder nicht. Versuch Dich zu entspannen, wenn Erwartungen in Deinen Gedanken auftauchen und lass dem Menschen, an dem Dir etwas liegt, die Möglichkeit, so zu reagieren, wie er/sie es will. Das macht die Situation für euch beide entspannter und harmonischer. 

2 Falsche Erwartungen führen zu Enttäuschungen

Je mehr wir einen Menschen mögen und je toller wir ihn finden, umso mehr erwarten wir von ihm. Aber was passiert genau in unserer Psyche, wenn sich unser Gehirn auf quasi „festgelegte Verhaltenswünsche“ manifestiert? Wenn wir einen Menschen kennen lernen und wenn wir ihn sympathisch finden, dann passiert es oft, dass eine einzige Eigenschaft dieses Menschen alle anderen Eigenschaften „überstrahlt“, d. h. wir sehen z. B. bei einer sehr attraktiven Person nur die attraktive äußere Erscheinung und „übersehen“ dann aber, dass diese Person unordentlich ist oder lügt. Hierbei handelt es sich psychologisch um den sogenannten Halo-Effekt. Je länger wir diesen Menschen kennen, umso mehr fällt uns dann im Laufe der Zeit auf, welche schlechten Eigenschaften dieser Mensch hat. Wir wollen dies dann nicht wahrhaben, weil es doch unmöglich sein kann, dass ein Mensch, der so attraktiv ist, lügt oder unordentlich ist. Wir hatten also ein Bild von diesem Menschen, dass nicht der Realität entsprochen hat; ausgelöst durch eine äußere Attraktivität und ausgelöst durch ein psychologisches Phänomen, dass ebenfalls menschlich ist. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, in dem deutlich wird, dass wir trotz aller guten Eigenschaften eines Menschen immer beachten sollten, dass in jedem von uns auch „dunkle Seiten“ schlummern. Wenn wir erwarten, dass ein Mensch diese dunklen Seiten nicht hat, dann ist seelisches Leid vorprogrammiert. Ich spreche hier nicht von einem generellen Misstrauen, sondern eher von einer gewissen Vorsicht, die dem Selbstschutz dient. Niemand ist perfekt, ich nicht, Du nicht, kein Mensch! Wir alle haben auch Schwächen und das oberste Lebensgefühl sollte es immer sein, dass jeder von uns sich so zeigen kann und darf, wie er ist, mit all seinen Ecken und Kanten. Wenn Du also das nächste Mal einen Menschen triffst, an dem Dich eine ganz bestimmte Eigenschaft total fasziniert, dann versuche Dir bewusst zu machen, dass der- oder diejenige auch nur jemand ist, der nicht nur Schokoladenseiten hat. Gestehe sowohl Dir selbst als auch Deinem Gegenüber eine gewisse Unperfektheit zu. Das mindert die Gefahr vor großen Enttäuschungen ungemein, weil Du weißt:

  • da wo Licht ist, ist auch Schatten,
  • da wo Liebe ist, ist auch Hass,
  • da wo Vertrauen ist, ist auch Angst.

Gib beiden Polen eine Chance, sich zu zeigen. Sie schlummern in jedem von uns! 

3 Erwartungen machen abhängig

Wie Du weißt, ist das große Thema meines Blogs emotionale Abhängigkeit. Auch Erwartungen in andere Menschen oder an den Ausgang einer bestimmten Situation führen Dich, wenn auch wahrscheinlich eher unbewusst in eine emotionale Abhängigkeit. Warum? Wenn Du Erwartungen hast, dann macht Dich das in einem gewissen Maße machtlos. Du hattest eine Vorstellung davon, wie die Geschichte endet oder wie sich Dein Partner/Deine Partnerin verhalten sollte. Und nun kam es aber plötzlich völlig anders. Damit bist Du jetzt erst mal völlig überrumpelt und wahrscheinlich zeigen sich auch Gefühle wie Wut, Trauer oder Enttäuschung. Was ist hier passiert? Wenn Dein Unterbewusstsein sein Programm der eingeübten Verhaltensmuster über Erwartungen abspult – ohne dass Du es merkst – wirst Du zwangsläufig immer wieder in diese machtlosen und ohnmächtigen Situationen geraten. Das macht es schwierig für Dich, angemessen und wertschätzend auf den Anderen zu reagieren. Du bist abhängig von Deinen eigenen Erwartungen und von den enttäuschenden Gefühlen, die daraus resultieren. Wie kannst Du das ändern? Du weißt jetzt, dass Dein Unterbewusstsein ein Programm aufruft, dass Du irgendwann einmal erlernt hast. Dieses Programm schadet Dir aber, weil es zu negativen Gefühlen führt. Wenn Du also das nächste Mal in eine Situation gerätst, in denen Du Gefühle wie Machtlosigkeit oder Enttäuschung spürst, dann halte wieder kurz inne. Mach Dir bewusst, dass dies nur ein erlerntes Programm Deines Unterbewusstseins ist. Du kannst dieses Programm ändern. Sage Dir innerlich: „STOP! Hallo liebe Erwartungen. Es ist schön, dass ihr da seid und ich weiß zu schätzen, dass ihr mir etwas sagen wollt. Ich weiß, ihr meint es nur gut. Ich möchte aber zukünftig offen sein dafür, wie ein anderer Mensch wirklich ist und auch dafür, wie eine Geschichte enden darf. Wenn ihr mir vorher schon sagt, wie es ausgeht, verliere ich diese Offenheit. Bitte lasst sie mir. Das ist es, was ich mir wünsche!“ Sage Dir das immer und immer wieder, in jeder Situation, in der Erwartungen hochkommen und ich verspreche Dir, dass Dein Unterbewusstsein Deine Erwartungen dann mit der Zeit immer mehr loslässt. Es geht nicht von heute auf morgen, aber es ist möglich! Glaube an Dich und Deine Fähigkeiten! Das Bewusstsein hat eine enorme Kraft und es wird stärker, wenn wir es jeden Tag trainieren. 

4 Erwartungen machen zwischenmenschliche Beziehungen schwierig

Einer der meisten Gründe, warum Beziehungen zwischen Menschen nicht funktionieren, sind falsche oder zu hoch gesteckte Erwartungen. Ich habe bereits im ersten Punkt beschrieben, dass dies zu einem unangenehmen, sehr unfreien Verhältnis zwischen Menschen führt. Wenn Du einem anderen Menschen durch Deine Vorstellung, wie er sein sollte, schon ein gewisses Verhalten vorgibst, verhindert dies, dass der- oder diejenige sich so zeigen kann und darf, wie er wirklich ist. Wir sind hier auf dieser Erde, um die beste Version von uns selbst zu zeigen und zu leben oder um es mit den Worten von Oprah Winfrey zu sagen:

„We are all seeking the same thing. Everybody wants to fullfill the highest truest expression of yourself as a human beeing. That´s what you´re looking for!“ 

„Wir suchen alle nach der selben Sache. Jeder von uns möchte die höchste und ehrlichste Version von sich selbst als ein menschliches Wesen ausleben. Das ist es, wonach wir uns alle sehnen.“

Wie soll also ein Mensch die ehrlichste und höchste Version seines Selbst ausleben, wenn wir ihm diese Version mit unseren Erwartungen gar nicht zugestehen? 

5 Was Du gewinnst, wenn Du es schaffst, Deine Erwartungen loszulassen

Ich weiß, dass es nicht einfach ist, unvoreingenommen vor einem anderen Menschen zu stehen oder den Ausgang einer Situation in seinen Gedanken einfach offen zu lassen. Solltest Du das aber mit den oben beschriebenen Mitteln schaffen, gewinnst Du:

  • eine gewisse Selbstbestimmung, weil auch Du dann so reagieren kannst, wie Du wirklich bist.
  • die Freiheit, Dich dem Fluss des Lebens hinzugeben, weil nicht Deine Gedanken die Geschichte bestimmen, sondern das Leben selbst.
  • Stärke in Deinen zwischenmenschlichen Beziehungen, weil Du andere Menschen so lässt, wie sie sind.
  • Gelassenheit, weil Du Dich nicht mehr von Deinen erwartenden Gedanken dominieren lässt.
  • ein Bewusstsein dafür, dass Veränderungen zum Positiven möglich sind.
  • mehr Freunde, weil Deine Ansprüche viel geringer werden.
  • Menschen, die wirklich zu Dir passen, weil Du dann nur noch diejenigen triffst, die auch die beste Version von sich selbst leben wollen. 
  • die Macht, Entscheidungen zu treffen, die auf Wertschätzung und nicht auf Gefühlen wie Wut oder Enttäuschung beruhen. 
  • eine bessere Lebensqualität, weil das Leben für Dich offener und leichter wird.

 

Wie denkst Du über Erwartungen? Kann man es schaffen, sie komplett los zu lassen? Schreib Deine Gedanken dazu gerne in einen Kommentar zu diesem Beitrag.