Was läuft in unserer Gesellschaft schief?

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft

Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Wir leben im Prinzip im reinsten Luxus und doch sind viele von uns extrem unzufrieden. Warum ist das so? Weil sich innerhalb unserer Gesellschaft ein Virus breit gemacht hat, den wir alle selbst mit erschaffen haben. Dieser Virus heißt: “ Je mehr du leistest, je mehr Geld Du verdienst, je höher Deine Position oder Dein akademischer Grad ist, je mehr Du besitzt, umso mehr bist du wert!“ Dieser Glaubenssatz wurde uns bereits im Kindesalter in die Tiefen unseres Unterbewusstseins eingeimpft und wir sind zutiefst damit verwurzelt, ohne es zu wissen. Diese „Statussymbole“ regieren unsere Köpfe und bestimmen unser Handeln. Jeden Morgen stehen wir auf, UM ZU. Wir stehen auf, UM Geld ZU verdienen, wir stehen auf, UM etwas ZU leisten, wir stehen auf, UM unsere Familie ZU ernähren, wir stehen auf, UM befördert ZU werden.

Wir tun alle diese Dinge, weil wir uns von der Impfung unseres Unterbewusstseins leiten lassen. Unser Unterbewusstsein sendet an unseren Verstand das Signal, ich muss etwas leisten, ich brauche einen akademischen Grad, ich muss besser sein als andere, sonst bin ich nichts wert. Unser Kopf regiert unser Leben. Die Anzahl der Burnout-Erkrankungen liegt in Deutschland schätzungsweise bei 13 Millionen. Diese Zahl ist erschreckend und sie zeigt, dass unser System krank ist und wir alle haben es krank gemacht! Es ist an der Zeit sich zu wehren,  nur wie?

Die Stimme des Herzens ist verklungen

Ich wiederhole noch einmal: Unser Kopf glaubt über die Impfung unseres Unterbewusstseins, dass wir mehr wert sind, wenn wir mehr leisten. Diese Impfung ist so stark, dass sie die Unlust, die der Job mit sich bringt, die Erschöpfung, die durch die ständigen Überstunden verursacht wird, die zugrunde gehenden sozialen Beziehungen aufgrund mangelnder Zeit, usw. nicht mehr ins Bewusstsein vordringen lässt. Wir folgen einem Glaubenssatz, der schlichtweg auf Dauer krank macht. Die Sucht nach äußerer Anerkennung ist so stark, dass sie die Stimme des Herzens und die Signale des Körpers völlig übertönt. Oft zwingt uns eine Krankheit dann erst zur Besinnung und wir merken erst dann, in welchem völlig bescheuerten System wir viel zu lange immer nur funktioniert haben.

Es spricht nichts gegen einen Doktortitel, wenn die Motivation für die Erlangung dieses Titels auf tiefstem Herzen kommt, weil Du z. B. ein Forschungsgebiet gefunden hast, dass Dich total erfüllt! Wenn die Motivation für die Erlangung des Titels allerdings darauf basiert, dass Dein Vater bereits Doktor der Medizin war und Du es ihm lediglich nachmachen sollst, dann ist dies keine Herzensangelegenheit! Du musst Dir den Titel mit dem Verstand und mit reinem Willen erarbeiten, das kann auf Dauer krank machen!

Es ist zwingend notwendig, dass wir die Stimme unseres Herzens wieder aktivieren und auf die Signale unseres Körpers achten. Ich weiß, dass dies in einem abhängigen Arbeitsverhältnis, welches die Familie ernährt, nicht so ohne weiteres möglich ist. Da kann man nicht einfach den Mund aufmachen und sagen, wie beschissen man das alles findet, weil sonst die Kündigung droht. Also was tun? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, aus diesem Wahnsinn auszusteigen? Ja, die gibt es!

1. Zeige Mitgefühl

Wir sind alle unsere eigenen Schöpfer, wir alle haben dieses kranke System mit erschaffen. Solange wir in diesem System mitlaufen und so funktionieren, wie es unsere Vorgesetzten gerne hätten, kann dieses System auch Bestand haben! Was aber, wenn wir nicht mehr funktionieren, was wenn wir sagen: „Ich mache nicht mehr mit, hier läuft etwas schief? Wir sind auf dem falschen Weg!“ Wenn Dein Chef nichts ändert, weil er genauso unbewusst wie Du nach äußerer Anerkennung strebt, dann sei Du der Erste, der etwas ändert! Aber wie?

  • Dein Vorgesetzter hängt genauso in dem System fest wie Du. Er kennt seine Glaubenssätze nicht, weil sie ihm nicht bewusst sind. Suche ein Gespräch, aber wirf ihm nichts vor. Teile lediglich Deine Gefühle mit, z. B.: „Ich fühle mich in letzter Zeit total überfordert. Ich soll in immer kürzerer Zeit immer mehr leisten. Ich schaffe das einfach nicht mehr. Wenn ich so weiter mache, werde ich krank. Kann ich noch jemanden zur Unterstützung erhalten? Kann ich vielleicht mehr Zeit für die einzelnen Aufgaben bekommen? Durch die ständigen Überstunden, ist meine Frau zuhause immer öfter sauer. Ich habe Angst, dass die viele Arbeit meine Ehe gefährdet!“ Teile Deinem Chef mit, wie Du Dich fühlst, ohne ihn anzugreifen und dann lass ihm Zeit, um darüber nachzudenken!
  • Da Deine Arbeitskollegen im selben System festhängen, fang Du an damit, diesen Wahnsinn ins Bewusstsein Deiner Mitmenschen zu bringen. Rede mit Deinen Kollegen darüber. Ich bin mir sicher, dass es vielen anderen auch so geht! Und vielleicht könnt ihr dann zusammen mehr bewirken! Ein Betrieb funktioniert immer nur dann, wenn die Mitarbeiter in ihrer vollen Kraft stehen. Kranke Arbeitnehmer nutzem keiner Firma etwas!
  • Wenn Du jemanden kritisierst, dann tue es mit Bedacht! Vorwürfe führen nicht aus dem System, sondern sie machen den Drang nach äußerer Anerkennung nur noch schlimmer. Der Kritisierte fühlt sich verletzt und wird weiterhin nach mehr Macht und höherer Position streben, um seinen Drang nach Bestätigung von außen zu befriedigen.

2. Baue täglich kleine Pausen ein und nutze die Auszeiten, die Dir zustehen sinnvoll

Bei aller Hektik und bei aller Flut an Aufgaben, die es zu bewältigen gilt, stehen Dir nach dem Arbeitsschutzgesetz Pausen zu! Du kannst nicht ununterbrochen arbeiten, ohne etwas zu essen und zu trinken, ohne Dir mal die Beine zu vertreten, ohne mal durchzuatmen. Diese Art des Arbeitens ist ineffektiv. Gegen die Menge an Aufgaben, die abzuarbeiten sind, kannst Du erst mal wenig tun, aber Du kannst das Ganze etwas erträglicher gestalten. Wie geht das?

  • Gehe eine Runde an die frische Luft! Einfach mal raus aus dem Büro, für 5 Minuten. Sauerstoff wirkt Wunder! Und Du kannst für 5 Minuten an etwas anderes denken als an die Arbeit. Ich habe in meiner Mittagspause irgendwann mal festgestellt, dass meine Kollegen selbst während des Essens über Dinge reden, die die Arbeit betreffen. Ich habe deshalb für mich die Entscheidung getroffen, dass ich nach dem Essen direkt jeden Tag eine Runde spazieren gebe, um wenigstens für ein paar Minuten nichts von Arbeit und Hektik zu erleben und um einfach mal abzuschalten.
  • Nimm Dir jeden Tag mindestens 5 Mal eine Minute für Dich selbst, atme durch, und höre auf Deine innere Stimme! Wie fühlt sich Dein Körper an? Bist Du zufrieden in dem Job? Macht Dir der Job Spaß? Hast Du nette Kollegen? Sind die Arbeitszeiten gesund für Dich? Wenn Du jetzt denkst, so viel Zeit habe ich nicht…Sicher? Du hast noch nicht einmal 5 Mal eine Minute am Tag? In Deiner Pause hast Du sie definitiv, vorausgesetzt Du machst eine Pause!
  • Ich habe hier eine Entspannungsmeditation, die 5 Minuten dauert, hochgeladen. Nutze sie, wann immer Du möchtest, sie steht Dir kostenlos zur Verfügung.

Kurzmeditation für die Mittagspause

Es kann sein, dass Dich Deine Kollegen erst mal schief anschauen, wenn Du plötzlch in Deiner Mittagspause spazieren gehst oder anfängst hinter Deiner Bürotür zu meditieren. Kümmere Dich nicht darum! Die Pause steht Dir zu, sie wird nicht als Arbeitszeit gerechnet und Du darfst in Deiner Pause tun und lassen, was Du möchtest. Mach einfach Dein Ding und wer weiß, vielleicht folgen Dir Deine Kollegen ja irgendwann.

3. Was tun, wenn der Vorgesetzte ein Narzisst ist?

Leider erlebe ich es sehr oft, dass die falschen Menschen in Führungspositionen sitzen. Für mich ist eine Führungsposition dann falsch besetzt, wenn die führende Person ihr eigenes Weiterkommen, ihren eigenen Status und das eigene Ego über die Gesundheit und die Bedürfnisse der Mitarbeiter stellt. Die Führungsposition wird dann ausgenutzt, um die nächste Beförderung schneller herbeizuführen. Das geht natürlich nur, wenn die Mitarbeiter mitspielen! Wenn Du einen Chef hast, dem Dein Wohlbefinden und das Deiner Kollegen egal ist, der seine Machtposition ausnutzt, um auf Kosten seiner Untergebenen noch mehr Macht zu erlangen, dann versuche zunächst einmal, auch ihn wertschätzend zu behandeln. Auch er ist nur ein Mensch. Es wird geleitet von seinem Ego, von seiner Sucht nach äußerer Anerkennung. Und dafür würde er über Leichen gehen. Narzissten brauchen Lob! Also wann immer es möglich ist, lobe Deinen Chef, sobald er etwas menschliches tut!

Du musst dieses Verhalten nicht auf Dauer aushalten. Du kannst diesen Menschen aber auch nicht ändern. Also versuche, die Situation auf der Arbeit so lange es geht, einigermaßen erträglich zu gestalten. Baue immer wieder kleine Ruhezeiten ein. Sehe Dich in Deiner Freizeit nach einem anderen Job um oder baue Dir nebenbei etwas Selbständiges auf. Auf Dauer mit Narzissten zusammenzuarbeiten, macht krank! Du hast ein glückliches Arbeitsumfeld verdient.

Sei Du die Veränderung, die Du Dir wünschst

Jammern, kritisieren und meckern werden nicht zu einer Veränderung führen. Mach Du den Anfang mit den oben genannten kleinen Schritten. Je mehr Menschen Dir folgen, desto erträglicher wird die Flut an Arbeit und umso gesünder wirst Du! Dein Körper und Deine Seele werden es Dir danken.