Warum es sich lohnt, nein zu sagen!

Anna die Kindergärtnerin, bevor sie lernte nein zu sagen

Heute möchte ich gerne einmal einen etwas anderen Blogbeitrag schreiben! Heute erzähle ich Dir eine Geschichte. Die Geschichte von Anna.

Anna ist Kindergärtnerin. Sie liebt es mit Kindern zu arbeiten und sie ist auch sonst ein extrem hilfsbereiter Mensch. Selbst hat sie auch 2 Kinder. Ihr Mann trinkt ab und zu mal gerne einen über den Durst, weshalb sie sich auf ihn bei der Kindererziehung nicht wirklich verlassen kann. Da unsere Regierung dem Land eine Schuldenbremse auferlegt hat, steht für Kindergartenpersonal nicht viel Geld zur Verfügung, Anna ist mit 2 Kolleginnen alleine, sie teilen sich die Betreuung von 60 Kindern. Jede von den Erzieherinnen betreut grundsätzlich also 20 Kinder. Bettina, die Kollegin von Anna, ist seit 2 Monaten krankgeschrieben, weil sie dem Stress auf der Arbeit nicht mehr gewachsen war. Anna legt sich noch mehr ins Zeug, weil sie Bettina unterstützen und die Kinder nicht hängen lassen will. Anna merkt allerdings schon seit längerer Zeit, dass sie unkonzentriert ist und nicht mehr die volle Aufmerksamkeit auf die Betreuung der Kinder lenken kann. Mittlerweile sind es ja 30 Kinder, um die sie sich kümmern muss. Am Ende des Tages kommt Anna nach Hause und ist ziemlich kaputt, weil sie tagsüber einfach alles gibt. Zuhause warten aber auch noch 2 Kinder im Alter von 4 und 6 Jahren, die auf die Fürsorge ihrer Mutter angewiesen sind. Ihr Vater sitzt vor dem Fernseher und trinkt ein Bier. Um die Kinder kümmert er sich nicht. Anna kocht für sich, ihren Mann und die Kinder. Sie trägt ihrem Mann den Essensteller an den Wohnzimmertisch vor den Fernseher, damit er versorgt ist. Anna sagt sich: „Ich muss für meine Kinder da sein und mein Mann braucht etwas Warmes zu essen.“ und kümmert sich jeden Abend um die ganze Familie. Sie gibt im Kindergarten ALLES und sie gibt zuhause ALLES. Nachdem sich Anna ein halbes Jahr voll und ganz verausgabt hat, erleidet sie auf der Arbeit einen Nervenzusammenbruch und einen Kreislaufkollaps. Sie wird ins Krankenhaus eingeliefert. Diagnose: Burnout!!! Anna ist nach dieser Diagnose ein ganzes Jahr lang krank geschrieben. Sie erholt sich nur sehr langsam.

Anna die Kindergärtnerin, nachdem sie lernte nein zu sagen

Anna ist Kindergärtnerin. Sie liebt es mit Kindern zu arbeiten und sie ist im Grunde ihres Herzens ein hilfsbereiter Mensch. Selbst hat sie auch 2 Kinder. Im Kindergarten sollten für lange Zeit 3 Kindergärtnerinnen auf 60 Kinder aufpassen. Bettina ist dadurch krank geworden und Anna auch. Anna nimmt allen Mut zusammen und geht zu ihrem Chef. Sie spricht klar und deutlich aus, dass es so nicht weitergehen kann. 60 Kinder sind für 3 Erzieherinnen einfach zu viel. Die viele Arbeit hat bereits 2 Erzieherinnen krank gemacht. Sie fordert mehr Personal, mindestens 3 neue Arbeitskräfte. Ihrem Wunsch wird zunächst nicht ganz entsprochen, es wird erst mal eine neue Kollegin eingestellt. Damit ist den anderen aber schon viel geholfen. Sie werden damit ein wenig entlastet und können wieder entspannter zur Arbeit gehen. Zuhause hat Anna ihren Mann auf seinen Alkoholkonsum angesprochen: „Hör mal Hans, ich habe auf der Arbeit sehr viel zu tun und wenn ich nach Hause komme, muss ich mich auch noch alleine um unsere Kinder kümmern. Mir fällt auf, dass Du in letzter Zeit sehr viel trinkst und unsere Kinder vernachlässigst. Ich möchte gerne, dass Du mich zukünftig ein wenig mehr unterstützt. Es sind schließlich auch Deine Kinder.“ Nachdem sich innerhalb der nächsten 2 Monate nichts geändert hat, reicht Anna die Scheidung ein. Die 4-jährige Tochter kann sie mit in den Kindergarten nehmen und der 6-jährige Sohn geht im neuen Schuljahr in eine Ganztagsschule, wo er nachmittags mit Essen versorgt wird und danach noch seine Hausaufgaben macht. Es ist am Anfang nicht leicht für Anna, weil die Situation ganz neu ist. Nach einer gewissen Zeit fühlt sich Anna jedoch immer besser. Sie hat weniger Stress auf der Arbeit, sie geht sogar wieder richtig gerne arbeiten. Nach der Arbeit hat sie noch eine Stunde Zeit, um sich einmal pro Woche eine Ganzkörpermassage und einen Yogakurs zu gönnen, weil sie die 4-jährige Tochter dann zu ihrer Großmutter bringen kann. Sie nimmt die Hilfe ihrer Mutter mittlerweile gerne an, früher wollte sie alles selbst machen. Die Kinder sind unter der Woche versorgt und am Wochenende kann sich Anna voll und ganz ihren eigenen Kindern und Freunden widmen. Anna hat zu sich selbst gefunden! Ein halbes Jahr später lernt sie einen ganz liebevollen Partner kennen, der sich auch unter der Woche abends sehr intensiv um ihre Kinder kümmert.

Ich beende den heutigen Blogbeitrag mit einer Frage: Welche Anna wärst Du lieber? Schreib es in die Kommentare! Ich bin gespannt auf Deine Antwort!