Warum es sich lohnt, Verletzungen zuzulassen

Verletzungen heilen

Meidest Du seelische Verletzungen?

Mir sind im Laufe meines Leben schon viele Menschen begegnet, die nicht verletzt werden wollen. Sie meiden seelische Verletzungen um jeden Preis und machen in Gesprächen oft „dicht“, wenn diese zu sehr in die Tiefe gehen. Auch ich hatte diese Phase in meinem Leben schon einmal, weil ich verletzt war und weil ich nicht wollte, dass dies noch einmal jemand tut. Wieso wollen wir eigentlich nicht verletzt werden? Weil es weh tut! Weil es Gefühle in uns auslöst, die unangenehm sind und die wir lieber nicht haben wollen. Deshalb versuchen wir sie zu vermeiden und wenn sie doch da sind, dann wollen wir sie am liebsten weg haben. Ich möchte Dich in diesem Blogeintrag heute dazu ermutigen, Deine Sichtweise über Verletzungen vielleicht ein wenig zu überdenken.

Wenn wir verletzt werden, lernen wir immer etwas über uns selbst

Die meisten Menschen glauben, dass andere Menschen sie verletzen können und dass die anderen dann auch dafür verantwortlich sind. Das ist ein kompletter Trugschluss. Diese Sichtweise gibt einem anderen Menschen die Macht dazu, Deine Gefühle willkürlich zu bestimmen. Wenn Du die Verantwortung für Deine Verletzungen an einen anderen Menschen abgibst, hast Du selbst nicht die Möglichkeit, an diesen unangenehmen Gefühlen etwas zu ändern. Was passiert,wenn Dich etwas oder jemand verletzt? Ein anderer Mensch löst mit seinem Verhalten in Dir unangenehme Gefühle aus, die auf der seelischen Ebene sehr schmerzhaft sind. Der andere Mensch ist in diesem Fall aber nur der Auslöser. Die Gefühle, die in diesem Moment hochkommen, sind immer Gefühle aus der Vergangenheit (oft aus der Kindheit), die mit der aktuellen Situation nichts zu tun haben. Und genau das ist eine riesengroße Chance. Wenn diese Verletzungen ans Tageslicht kommen, dann wollen sie genau in diesem Moment gefühlt werden, weil es an der Zeit ist, sie anzunehmen und sie zu heilen! Wir lernen also durch das Verhalten unseres Gegenübers und durch unsere dadurch ausgelösten Gefühle etwas aus unserer Vergangenheit, das noch nicht geheilt ist. Dafür sollten wir dem anderen Menschen von Herzen danken!

Seelische Verletzungen sind nicht vermeidbar

Ich glaube zutiefst daran, dass wir in diese Welt geboren wurden, um Erfahrungen zu machen, menschliche Erfahrungen. Und an jeder Erfahrung wachsen wir. Zu diesen Erfahrungen gehören sowohl die schönen wie Freude und Liebe als auch die nicht so schönen wie Trauer und Wut. Lassen sich diese unschönen Gefühle denn nicht einfach vermeiden? Nein! Das ist nicht möglich! Warum ist das nicht möglich? Weil wir etwas fühlen! Und zu unseren Emotionen gehören die schönen genauso wie die negativen! Wir können uns davon nicht komplett freisprechen, niemand kann das. All diese Seiten schlummern in uns und sind je nach Mensch mehr oder weniger stark ausgeprägt. Es gibt Menschen, die sehr erfolgreich versuchen, negative Gefühle zu vermeiden oder zu verdrängen. Wozu führt das? Entweder sind diese Menschen sehr einsam, weil sie sich nicht öffnen können oder aber sie werden irgendwann krank, weil verdrängte Gefühle keine positive Wirkung auf die Gesundheit haben. Es lohnt sich also in jedem Fall, Gefühle zuzulassen.

Das Entscheidende ist der Umgang mit Deinen Verletzungen

Ich möchte Dir jetzt eine Möglichkeit vorstellen, wie Du es schaffen kannst, dass Deine Gefühle erträglich bleiben und Dir sogar von Nutzen sein können. Wann immer Du Dich verletzt fühlst, versuche erst einmal relaxt zu bleiben. Das was uns Schwierigkeiten macht, ist die Art und Weise, wie wir diese Dinge bewerten. Wenn also ein anderer Mensch etwas tut oder sagt, was uns verletzt, dann reagieren wir erst mal mit genauso verletzenden Worten oder Taten. Das führt dazu, dass der oder die Andere sich möglicherweise auch verletzt fühlt. Das kannst Du vermeiden, indem Du, sobald Du Dich verletzt fühlst, erst einmal innehältst und Dir selbst sagst: „Stop! Ruhe! Da sind Gefühle, die jetzt angeschaut werden wollen. Tut verdammt weh, aber sie sind jetzt da und  wollen mir etwas sagen!“

Versuche also, Deine Emotionen wertzuschätzen. Da die andere Person Dir ja womöglich noch gegenüber steht, könntest Du ihr sagen: „Was Du da gerade gesagt hast, hat mich verletzt. Ich muss da jetzt erst mal drüber nachdenken.“ Damit teilst Du Deine momentanen Gefühle mit und greifst auch niemanden an. Dieser Schritt ist immens wichtig. Doch gerade vor diesem Schritt scheuen sich viele Menschen, weil sie dann ihre Gefühle offenbaren und Angst vor der Reaktion des Gegenübers haben. Stattdessen reagieren sie verärgert oder aggressiv und der oder die Andere weiß in dieser momentane Situation überhaupt nicht, warum das so ist.

Viele Streitigkeiten könnten mit mehr Achtsamkeit vermieden werden

Wenn Du die Verantwortung für Deine Gefühle übernimmst und sie als Einladung zum geistigen Wachstum und somit als Geschenk ansiehst, kannst Du ein selbstbestimmteres Leben führen. Jeder von uns trägt Verletzungen in sich.  Ich kenne keinen einzigen Menschen, der sich noch nie in seinem Leben verletzt gefühlt hat. Wenn wir anerkennen, dass diese Verletzungen ein Teil von uns sind und dass sie da sind, um geheilt zu werden, dann können wir viele ungünstige Diskussionen mit anderen Menschen vermeiden. Wenn Du Deine Gefühle achtsam beobachtest, sie annimmst und sie dadurch liebevoll verwandelst, werden sich Deine zwischenmenschlichen Beziehungen um ein Vielfaches verbessern, weil Du dann nicht mehr andere Menschen für Deinen inneren Zustand verantwortlich machst.